Teegenuss im Klosterkeller

13 10 2015

Einst war er ein Benediktinerkloster, heute ist er ein Zentrum für Meditation und Achtsamkeit, das sich an keine Konfession gebunden sieht: der Benediktushof in Holzkirchen bei Würzburg. Frieden und Stille des Ortes spiegeln sich sowohl im historischen Klostergebäude als auch im neu angelegten Zen-Garten „der verborgenen Quelle“ wider.

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Auch Teegenießern ist der Benediktushof ein Begriff, denn dort führt Zen-Meisterin Doris Zölls regelmäßig in die Kunst der Teezubereitung und den Genuss des Teetrinkens ein. Wie sie selbst den Tee entdeckt hat?

Zen bedeute Wachsamkeit, Bewusstsein, Leben im Hier und Jetzt, erklärte Zölls bei ihrem jüngsten Seminar. Nichts passe dazu besser als der Tee: „Die erste Tasse weckt uns auf. Die zweite Tasse macht uns ganz wach. Und bei der dritten Tasse fangen wir an zu philosophieren.“

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Wie wahr diese Worte sind, stellten die Besucher bei vier verschiedenen japanischen Grüntees fest, die Zölls und ihr Team zubereiteten: Je länger der Abend im Gewölbekeller des ehemaligen Klosters dauerte, desto angeregter wurden die Gespräche.

Und sicher trugen die Tees ihren Teil dazu bei: Los ging es mit einem Kabuse Kukicha, einem Halbschattentee von der südjapanischen Insel Kyushu. Mit seinem zarten, milden Aroma ohne Bitterkeit und seinem geringen Koffeingehalt ist er ein wunderbarer Familien- und Abendtee.

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Es folgte der in Deutschland bekannteste japanische Tee, der Sencha. Im Gegensatz zum Kabuse Kukicha bekommen die Pflanzen bei der Aufzucht viel Sonnenlicht ab. Dadurch bilden sich viele Catechine, die antioxidativ wirken und den Alterungsprozess des Körpers verlangsamen.

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Mit dem Gyokuro („Edler Tautropfen“) Karigane folgte ein Höhepunkt: Der „Portwein unter den Tees“ wird bei der Aufzucht zu mindestens 90 Prozent vom Sonnenlicht abgeschirmt und erhält dadurch seinen hocharomatischen, leicht süßlichen Geschmack. Als koffeinreicher Tee eignet er sich besonders für die Morgenstunden.

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Zum Abschluss bereiteten Zölls und ihr Team einen Matcha zu. Dieser hochwertige pulverisierte Grüntee wird in einer Keramikschale mit einem Bambusbesen aufgeschlagen und verwandelt sich dabei in ein tiefgrünes, anregendes und sehr gesundes Getränk.

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Zwischendurch führte Doris Zölls ihre Zuhörer in die japanische Teekultur ein. Sie schilderte, wie sich der Tee von der traditionellen Medizin zum Volksgetränk entwickelte: Einst hatten Mönche Tee getrunken, um bei ihren Meditationen nicht einzuschlafen, heute verbringen viele Japaner ihre Sonntagnachmittage in der Stille des Tempels, blicken hinaus in die Natur und genießen ihren Tee.

Ähnlich dezent und ehrwürdig geht es bei den traditionellen Teezeremonien in den Teehäusern zu: „Es ist ein Geschenk des Ostens, dass wir eine Teezeremonie mit den Gästen feiern können“, sagte Zölls.

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Doch Doris Zölls warf auch einen nachdenklichen Blick in die Zukunft: Die japanische Jugend trinke heute lieber Kaffee oder Teegetränke aus Plastikflaschen statt sich auf die traditionelle Teezeremonie einzulassen. „Werden die Japaner ihre eigene Kultur in Europa wiederentdecken?“, fragte die Zen-Meisterin.

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Vielleicht ist es ja eines Tages soweit. Und bis dahin leisten Zölls und ihr Team hoffentlich weiter ihren Beitrag, die faszinierende und jahrhundertealte Teekultur fortzuführen und auch die Menschen hierzulande dafür zu begeistern.

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